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(english below)

Meine Porträts entstehen geradezu klassisch traditionell: ich arbeite ausschließlich nach Modell, in mehreren, stundenlangen Sitzungen im Atelier, mit Ölfarben auf Leinwand. Fotovorlagen kommen nicht ins Spiel. Eine klassische Form der Porträtmalerei, wie sie von den großen Gesellschaftsmalern ihrer Zeit praktiziert wurde: John Singer Sargent beispielsweise, Hans Makart oder Franz Xaver Winterhalter (der das berühmte „Sissi“-Portrait malte), aber auch deren Vorgänger in der Kunstgeschichte, die Hofmaler, Rubens, Goya, Velazquez – das Setting ist überall gleich. Daher erzählt diese Form der Porträtmalerei von Repräsentation, von Ansehen, Wichtigkeit und Würde und beansprucht dadurch eine gesellschaftliche Position, die den Dargestellten als gender outlaws viel zu oft nicht zugebilligt wird.
Play Bender

Play gender

Der Zeitschrift Amica liegt ein Extraheft bei: 100 Singles zum Bestellen. Ein Foto, ein Fragebogen, wer sind Sie, was suchen Sie und wie stellen Sie sich einen romantischen Abend vor? Alle Singles erwähnen Rosen und Kerzen, Abende im Restaurant und leise Musik. Kann das sein? Obwohl wir so viel Wert auf unsere Individualität legen, gibt es nur diese eine Ausdrucksform für die romantische Liebe? 

Offenbar nehmen wir das hin, so wie wir einfach akzeptieren, dass bestimmte Kleidungsstücke, Accessoires, Vorlieben und Vehaltensweisen für bestimmte Gruppen von Menschen einfach „verboten“ sind. Ein kleiner Junge, der sich unkommentiert einen Prinzessin-Lillifee-Schulranzen aussuchen darf? Eine aufstrebende Schauspielerin mit unrasierten Beinen? Ein Fußballer, der mit Nagellack zum Pokalfinale aufläuft? Undenkbar! 

Weniges scheint so wichtig zu sein wie die rigide Zweiteilung der Welt in weiblich und männlich und die damit verbundene unverrückbare Zuschreibung von Rollen und Eigenschaften, Pflichten und Möglichkeiten.

Mann oder Frau, eins von beiden muss es sein; nach der Geburt zum ersten Mal in ein Formular eingetragen und danach immer wieder abgefragt, egal, ob es darum geht, einen Reisepass zu beantragen oder bei einem Gewinnspiel für naturbelassenes Olivenöl mitzumachen. Wir fügen uns und kreuzen eine Möglichkeit an, manchmal vielleicht wie bei Optionen in simplen Psychotests: Okay, ich würde zwar nicht wirklich das gesamte Geschirr zertrümmern, aber ich wäre ECHT sauer, also Antwort B. Ich mache mir zwar nichts aus Fußball, Autos und Alkohol, aber da ich mich nur im Gesicht rasiere und der Welt einen Adamsapfel zeige, kreuze ich „Mann“ an. 

Je strikter dieses duale System aufrecht erhalten wird, desto schwieriger ist das Leben für Menschen, denen darin kein Platz erlaubt ist: Säuglinge mit im herkömmlichen Sinne uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen zum Beispiel, Trans*personen oder Menschen, zu denen die von ihnen erwarteten Rollen nicht passen. 

Wären die Kategorien „Mann“ und „Frau“ nicht die einzigen Optionen, sondern von mir aus die Eckpunkte eines Spektrums voller Möglichkeiten, müssten wir uns nicht als entweder/oder definieren. Damit fiele auch die Zuweisung festgelegter sozialer Rollen weg, die an Geschlecht gebunden werden, und wer in Zukunft Lust auf Röcke, haarige Beine, eine Goldhamsterzucht oder das Pornfilmfestival hat: bitteschön. 

Es gibt – und gab schon immer – Menschen, die die Grenzen und Gesetze des bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts überwinden und damit seit jeher zu den Vorreitern gesellschaftlicher Entwicklungen gehören.

Diese Menschen porträtiere ich, ganz klassisch, mit Ölfarben auf Leinwand, in einem Medium also, das lange Zeit den Königshäusern, den Päpsten, den oberen Zehntausend vorbehalten war. In mehreren stundenlangen Sitzungen im Atelier, ausschließlich nach Modell gemalt, entstehen Gemälde von repräsentativer Kraft. Sie erzählen von Ansehen, Macht, Bedeutung und Würde und beanspruchen dadurch eine gesellschaftliche Position, die den Dargestellten als gender outlaws viel zu selten zugebilligt wird. 

„We are what is next!“ sagt ein Hermaphrodit in Jeffrey Eugenides Roman „Middlesex“, und ich glaube das gern und habe vor, eine Portraitsammlung der gesellschaftlichen Avantgarde unseres neuen Jahrtausends zu schaffen.
 

We are what is next.

Perhaps it is the corner of the mouth that I find attractive, or a tattoo. Perhaps it’s the way that one wiggles their nose when they’re talking, or their unaffected air when they sail through a crowd. My attention is aroused by a detail. I start watching someone, picturing that person to myself until I want to know if I’m seeing them the way that they desire to appear—if what I see is what they want to show. Painting someone is a wonderful opportunity to find this out, to really come close to somebody, to get to know a person and truly picture them.

For me, the most exciting moment is when my model has reached a state of meditative absorption, when there is no more intention to present or hide something, but instead to be just who they are. At that moment, I feel like I’m receiving a gift or borrowing from a special source. I acquire a kind of knowledge that is not possible to attain through the use of language or intellect.

The models who I work with are not professionals. For most of them, it is the first time, and probably the last time, that they will be painted by an artist. If a subject does not know how something new is going to work, they tend to refer to familiar situations. That is why many of my models start to look into the artist’s eyes like they are the lens of a camera: anxious, attentive, perhaps with a smile. In any case, they look into my eyes like they want to be seen, like they are looking at themselves in the mirror.

It is not possible to maintain a pose for hours. No matter how many times someone has practiced a certain expression in the mirror, or for the camera, at some point the tension is going to slacken and control is going to get lost. The models get used to the situation in the studio, the scent of oil colors and turpentine and the scratching noise of the brush on canvas. Perhaps the subject has been sitting there for an hour already, and they know that the next hour will be the same. And, very slowly, the focus of their attention shifts towards their center.

Who am I? What do I want? How do I want to be? What is my need, what do I dream of, what do I want to reach in life? And, is this truly me or am I influenced by the expectations of other people and by the way they look at me?

The question of identity is not easily answered—the more you differ from the standard, the harder it gets. And the standard dictates that there are just two sexes, each connected with its own determined role. Male or female, we tend to think that our judgment is pretty reliable when it comes to classifying people. But how can we be so sure? What criteria are we actually using to make these determinations? Obviously, there is a system of signs like “beard,” “breast,” “makeup” or “Adam’s apple” that we feel we are able to decode fluently.

But, more and more, people are casting aside the roles that have been allotted to them, illuminating the possibilities that lie outside of a cultural system limited to bipolarity. In the universe that exists between the states of man and woman, there are endless ways to be human. This is the universe where I feel truly at home.

„We are what is next,“ says Zora the Hermaphrodite in Jeffrey Eugenides‘ Middlesex. Perhaps we are on our way to a society in which sex and gender are not dependant on one another, and there we will have the freedom to be exactly who we want to be.

My series „doing gender“ offers this freedom and creates a situation in which the reliable distinction between male and female gets lost.

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