6. no name

„no name“ ist ein Künstlername. Und „no name“ hat über unser Porträt geschrieben:

Minette hat mich gebeten, als Modell einen Beitrag zu diesem Katalog beizusteuern. Ich bin dieser Bitte gerne nachgekommen, denn vieles ist während der gemeinsamen Arbeit entstanden, was mich selbst auch überrascht hat.
Unweigerlich kam ich sehr ins Nachdenken über mich. Während all der Sitzungen begleitete mich das Gefühl des Durchleuchtet-Werdens. Ich fühlte mich verpflichtet, über meine innersten Zustände Auskunft zu geben. Ich fühlte mich unglaublich ernst genommen. Diesem Künstlerinnen-Blick blieb nichts verborgen, folglich machte es gar keinen Sinn, etwas verheimlichen oder sich verstellen zu wollen.Die Erkenntnis, dass es sich beim Porträtieren tatsächlich um eine gemeinsame Arbeit handelt, war neu für mich und wer denkt, dass das Modell keine weitere Aufgabe hat, als einfach nur still zu sitzen, der irrt. Es geht vielmehr darum, zu seiner eigenen, tiefsten Ehrlichkeit und Authentizität zu finden, die die Malerin in der ihr gegebenen Sprache spiegelt.

An sich überraschte mich Minette mit ihrem Wunsch, mich für ihre Reihe androgyner Menschen zu portätieren. Für mich ist das Androgyne eher ein innerer Zustand, der sich bei mir nur undeutlich äußerlich ablesen lässt. Umso erstaunter war ich, dass Minette ihn wahrgenommen hatte.

Betrachte ich das fertige Bild, dann überkommen mich eine Vielzahl von Gefühlen: ich fühle mich ins rechte Licht gerückt und wichtig, zugleich fühle ich mich ertappt und gefährdet, fühle mich in eine andere Sprache übersetzt und zugleich kann ich mich auf neue Art verstehen. Mein Porträt sieht selbstbewusster aus, als ich mich selbst empfinde. Aber es scheint eine von vielen Wahrheiten zu sein, die so vorgesetzt zu bekommen ein sehr interessantes Erlebnis ist. Es ist bestimmt angenehm, dieser abgebildete Mensch zu sein.

Ich sehe Minette als einen interessierten, sehr offenen Mensch, der die Dinge ernst nimmt, sie aber auch in ihrer ganzen Banalität akzeptieren kann, ohne daran zu leiden. Von ihr porträtiert zu werden hieß für mich, in einem intensiven Austausch gewesen zu sein, der mich reicher entlassen hat, als ich es vorher war.

No Name
no name, 2003, 100 x10, Öl/Leinwand

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